MegaHub in Lehrte: Worüber sprechen wir eigentlich?


Was genau bedeutet „Megahub“ eigentlich?

Die Bahn beschreibt es so: „Im MegaHub werden die eintreffenden Container in einer schnellen Umschlaganlage nach ihren Zielorten neu auf Güterzüge verteilt. […] Der MegaHub entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Lehrte: Hier werden sechs, jeweils rund 700 Meter lange Umschlaggleise gebaut und eine Kranbahn mit bis zu sechs Hochleistungsportalkränen errichtet. Die Kräne übernehmen das Verladen der Ladeeinheiten sowohl zwischen Schiene und Straße als auch zwischen Schiene und Schiene.“

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Der rot umkreiste Bereich ist das Gebiet, wo die Anlage entstehen wird. ©openstreetmaps.org

Direkte Auswirkungen für Lehrte, Ahlten, Aligse

Am stärksten und direkt sind sicherlich die Kernstadt Lehrte und die Ortschaft Ahlten betroffen. Die Lärmbelästigung von der direkt am Stadtgebiet Lehrte und in Sichtweite zu Ahlten liegenden Anlage wird immens sein. Hier sind die Rangiergeräusche der Güterzüge zu nennen, aber auch die stetigen Aufsetzgeräusche der Container, die Bewegungsgeräusche der Krananlagen und der Rangierfahrzeuge (z.B. Warnsignale bei Rückwärtsfahrt). Neben der Geräuschbelästigung kommt eine Lichtverschmutzung dazu, da die Anlage natürlich Nachts umfassend beleuchtet sein wird.

Indirekte Auswirkungen für alle umliegenden Gemeinden

Es wird in den nächsten Jahren eine massive Zunahme des Güterverkehrs geben. Hiervon werden alle umliegenden Gemeinden betroffen sein, die bereits den seit Jahren zunehmenden Güterverkehr ertragen müssen. Berücksichtigt man, dass zukünftig mit doppelt so langen Güterzügen gerechnet werden kann, werden z.B. Ahlten und Lehrte zu einem Rangierbahnhof werden. In der ersten Ausbaustufe spricht man von fünf Güterzügen am Tag und 16 in der Nacht. Wenn man sich obige Karte anschaut, kann man sehen, welche Orte alle von den in alle Himmelsrichtungen gehenden Bahntrassen betroffen sind.

Die Umschlaganlage wird nicht nur für die Neusortierung auf der Schiene genutzt, sondern auch für den Umschlag zwischen Schiene und Straße. Die Bahn rechnet derzeit mit 640 Lastwagenfahrten – am Tag (wobei mit Tag gemeint ist: Tag und Nacht). Wer aktuell die Situation an der Ortsausfahrt Ahlten, in Höver oder an der Auffahrt zur B65 kennt, der kann sich ausmalen, was die zusätzlichen Fahrten bedeuten. Man hofft zwar, dass die Auffahrt auf die A2 ausschließlich genutzt wird. Sicherstellen kann man dies aufgrund der aktuellen Rechtslage derzeit offensichtlich aber nicht. Und der gesunde Menschenverstand sagt einem schnell, dass ein Abbiegeverbot im Zweifelsfall schnell umgangen wird, wenn dies nicht kontrolliert wird. Und unsere Polizei wird nicht die Kapazitäten dazu haben. Also wird sich der nach Süden gehende LKW-Verkehr auf die Kreisstraße begeben und direkt auf die A7 fahren.

Der aktuelle Stand des Projekts

Der entscheidende Punkt: zwar ist die Anlage seit ein paar Tagen genehmigt, aber die Frist für eine Klage ist noch nicht abgelaufen. Der ursprüngliche Antrag wurde 2015 wegen Fehlern abgelehnt und musste nachgebessert werden – die Initiative von „megaleise“ hat sicherlich auch einen entscheidenden Punkt dazu beigetragen. Inzwischen ist die Nachbesserung erfolgt und wurde 2016 erneut ausgelegt und eingereicht. Von „megaleise“ und einem externen Gutachterbüro auf Schwachstellen geprüft, war schnell klar: es wurden wieder nicht alle Regeln korrekt angewendet. Leider sind Planungsverfahren i.d.R. so angelegt, dass nach dem 2. Erörterungstermin keine weitere Nachbesserungsrunde stattfindet. So wurde der Antrag trotz massiver Hinweise auf „überprüfenswerte Abschnitte“ dennoch dem EBA vorgelegt und von diesem sehr überraschend „durchgewunken“. In allen Punkten klingt die Planfeststellung des EBA vereinfacht so:
„wir haben Ihre Bedenken der Bahn weitergeleitet – die sagen, das stimmt schon alles“

Also müssen wir klagen um Recht zu bekommen!

Die falsche Annahme: „Ich bin doch nicht oder nur kaum betroffen“

Wer am Tag oder Nachts Güterzüge hört oder bei falschen Windverhältnissen die Autobahn wahrnehmen kann, der ist schon einmal direkt von der Anlage betroffen. Beispiel Ahlten: bei falschen Windverhältnissen kann man die Geräusche der Autobahn im ganzen Ort hören. Warum sollte dies für den MegaHub nicht gelten? Die quietschenden Radreifen eines bremsenden Güterzuges sind gut über weite Entfernungen bei entsprechenden Wetterlagen zu hören. Und wer in der Nähe der Bahn wohnt, freut sich nach einem durchfahrenden Güterzug über das surrende Geräusch einer S-Bahn. Einem Bürger aus Lehrte oder Sehnde muss man über Bahnlärm nichts erklären – und der hat in den letzten Jahren schon ohne MegaHub immens zugenommen.

Selbst wenn dann nach den Berechnungen jemand Anspruch auf Lärmschutzfenster bekommen sollte: wie kann denn die Ruhe beim Grillen im Garten gewährleistet werden? Und warum darf ein Einwohner nicht mehr bei offenem Fenster schlafen? Da helfen auch Ansprüche auf Lärmschutzmaßnahmen nicht.

Und wer sich über parkende LKW’s in Wohngebieten, verstopfte Landstraßen oder die zugemülllten Parkplätze am Güterverteilzentrum in Lehrte ärgert, der ist auch betroffen. Und wer in Ruhe seine Spaziergänge im gebiet am Blauen See unternehmen möchte oder sich dort gar im Sommer aufhalten möchte, der kann dies getrost vergessen.

Im Auge behalten sollte man auch: ist eine Anlage erst einmal genehmigt, wird die Belästigung erst an ihrem Anfang sein. Der Verkehr wird stetig zunehmen und ein weiterer Ausbau ist abzusehen (schon jetzt wurde zugegeben, dass eine zweite Stufe des MegaHub in Planung ist).

Kurz: jeder, der seinen Wohnort auf oben abgebildeter Karte wiederfindet, der ist auch betroffen.

Die Notwendigkeit einer solchen Anlage

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Anlage zur Förderung des Güterverkehrs auf der Schiene wahrscheinlich sinnvoll ist – zumindest wird dies so von Politik und Bahn dargestellt. Sofern eine solche Anlage benötigt wird, dann muss sie natürlich verkehrsgünstig gelegen sein. Dies bedeutet eine gute Anbindung an Fernverkehrsstraßen und das Schienennetz. Hier bietet Lehrte mit A2/A7 und Schienenverbindungen natürlich beste Voraussetzungen. Allerdings muss man auch deutlich sagen, dass der Ort nicht alternativlos ist. Es gibt durchaus viele weitere Orte, die analog gute Infrastruktur bieten, allerdings deutlich weniger Lärmbelästigung für Mensch und Tier mit sich bringen würden. Hier spielen aber die wirtschaftlichen Interessen hinein. Das Gelände gehört der Bahn bereits und die Politik scheint den Lärmschutz nicht als erstes Interesse zu verfolgen. Also wird nicht über den Standort an sich, sondern nur über eine „möglichst“ verträgliche Lösung diskutiert.

Die Bahn als Bauherr und das bisherige Verhalten

„Die Bahn“ (genauer eine Gesellschaft DUSS, an der die Bahn die Mehrheit besitzt) wird diese Anlage bauen und nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen betreiben. Es geht also definitiv nicht um das Allgemeinwohl.

Was aus den bisherigen Anträgen klar geworden ist: es wird immer so gerechnet und argumentiert, dass die Bahn möglichst wenig investieren muss. Es werden Annahmen getroffen, von denen man bereits heute weiß, dass sie so idealtypisch nicht umgesetzt werden. Es werden Zahlen genutzt, die schlichtweg falsch sind und die Argumente werden immer so gedreht, dass die Lärmgrenzen ganz knapp eingehalten werden. In ganz vielen nicht klärbaren Punkten, nimmt man bewusst eine deutliche Verschlechterung für Bürger in Kauf oder bringt widerlegbarer Argumente.

Die Forderungen von „megaleise“

Ideal wäre natürlich für alle ein Verzicht auf den Bau der Anlage in Lehrte und die Suche nach einem Standort, der niemanden belastet. Machbar wäre es, denn es gibt genug Flächen, die sich anbieten würden – aber es stehen rein wirtschaftliche Interessen im Vordergrund.

Eigentlich dürfte die Anlage bei Berücksichtigung der gesamten Gesetzeslage gar nicht gebaut werden. So sind beispielsweise die tatsächlich nötigen Lärmschutzmaßnahmen faktisch gar nicht umzusetzen, teilweise müssten Wände deutlich höher als 10 Meter werden.

Die Bahn muss aufhören, Zahlen „schön“ zu rechnen und endlich vernünftige und realistische Annahmen treffen. Die Vorgehensweise ist derzeit komplett umgekehrt: man möchte die Anlage auf jeden Fall bauen und rechnet rückwärts. Die Fragestellung der Planer lautet offensichtlich: „welche Annahmen müssen wir treffen, damit wir die für eine Genehmigung nötigen Werte erhalten“. Hier wird das Pferd bewusst von hinten aufgezäumt.

Dabei gibt es technisch inzwischen viele Alternativen. Diese sind aber im Zweifelsfall teurer. Aber auch als privater Bauherr müssen Gesetze eingehalten werden – oft macht dies das Bauen erheblich teurer. Damit muss man entsprechend leben und die Kosten einkalkulieren. Warum soll hier bei einem gewerblichen Bauherrn eine Ausnahme gemacht werden?

Wenn man so vorgeht, dann muss sichergestellt werden, dass die getroffenen Annahmen bei der Erteilung einer Baugenehmigung auch zur Voraussetzung gemacht werden. Und deren Einhaltung muss strikt nachgehalten werden. Hier stecken gerade alle offensichtlich den Kopf in den Sand.

Zwei Beispiele von vielen:

  1. Es wird in der Planung davon ausgegangen, dass der LKW-Verkehr ausschließlich über die A2 abgeleitet wird. Alle Beteiligten spielen sich aber den schwarzen Peter für die Umsetzung dieser Maßnahme zu und erklären sich für nicht verantwortlich. Wenn die Gesetzeslage aber nun mal so ist, dass den Behörden die Hände gebunden sind, dann muss man die Annahmen ändern. Oder Lösungen finden. Alles andere ist Augenwischerei.
  2. Im der Betrachtung werden Annahmen zu Zuglängen getroffen werden. Schon heute weiß man, dass diese sich sehr wahrscheinlich verdoppeln werden. Entweder rechnet man gleich mit längeren Zügen oder beschränkt sich in der Genehmigung auf die Zuglängen, mit denen gerechnet wurde. Beides geht nicht.

Der Bund als Eigentümer der Bahn steckt hier in einer prekären Situation: einerseits soll die Bahn rentabel arbeiten, andererseits hat der Bund die Aufgabe, seine Bürger zu schützen. Lärm macht krank, das ist ein Fakt. Und Krankheiten kosten die Gemeinschaft viel Geld. Es wird hier also „linke Tasche, rechte Tasche“ gespielt – das muss aufhören.

Kurz zusammengefasst: Wenn die Anlage gebaut wird, dann müssen realistische Annahmen getroffen werden, die auch später eingehalten werden. Dabei muss die geltende Gesetzeslage beachtet werden. Wenn sich daraus für den Betreiber unschöne Konsequenzen ergeben, dann muss man Lösungen suchen. Lärmschutz hat einen deutlich höheren Stellenwert als die betriebswirtschaftlichen Interessen eines Unternehmens zu haben!

Jeder kann mit ganz wenig Aufwand helfen

Nein, auf keinen Fall. Alle Bürger, die in irgendeiner Art und Weise negativ betroffen sind, sollten sich engagieren. Dazu ist gar nicht viel zu tun – nur an der richtigen Stelle „nein“ sagen. „megaleise“ hat im letzten Jahr ein fundiertes Einspruchsschreiben zum Herunterladen bereitgestellt. Der Aufwand begrenzte sich auf

  • ausdrucken,
  • unterschreiben,
  • Porto drauf und wegschicken.

Auch dieses Jahr wird es ein Einspruchsschreiben geben. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer sind die Chancen auf einen fairen Umgang miteinander.

Unser Appell:

  • Diesem Blog per E-Mail (direkt auf der Homepage) oder unserer Facebook-Seite folgen.
  • Wenn das Musterschreiben fertig ist, dieses herunterladen und verschicken.
  • Alle Familienangehörigen, Freunde, Bekannte und Betroffenen aktivieren – auch die, die kein Internet nutzen mit einbinden.
  • Jeder, der aktiv wird, zählt.

Ein Gedanke zu „MegaHub in Lehrte: Worüber sprechen wir eigentlich?

  1. Pingback: Deine Einspruch ist bis 28.09.2016 nötig – die Musterschreiben sind fertig! | megaleise

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